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Freisinnige wollen freie Seestrasse (ZSZ, 6.1.2010, S.2)

Freisinnige wollen freie Seestrasse

Bezirk Meilen Bürgerlicher Einsatz gegen Staus am Stadteingang

Die FDP Bezirk Meilen hat der «autofeindlichen, arroganten» Politik des Zürcher Stadtrats den Kampf angesagt. Wie die SVP möchte sie keine weitere Verschlechterung der Situation am Stadteingang.

Daniel Fritzsche

Jeden Tag dasselbe Bild: Während der Rushhour stauen sich auf der Seestrasse zwischen Bahnhof Tiefenbrunnen und Utoquai die Autos. Und nun verschlimmert sich die Situation noch weiter. Der Zürcher Stadtrat plant, die Seestrasse am Stadteingang für rund 20 Millionen Franken zu sanieren. Während anderthalb Jahren werden die Fahrbahnspuren von vier auf zwei reduziert. Es ist mit bis zu doppelt so langen Staus wie heute zu rechnen.

«Die östliche Einfallsroute in die Stadt Zürich wird praktisch blockiert», sagt Bettina Schweiger, Präsidentin FDP Bezirk Meilen. Im Namen ihrer Bezirkspartei hat sie Einwendungen zur geplanten Sanierung bei der zuständigen Stadträtin Ruth Genner (Grüne) deponiert. Die konstruktive Kritik stiess jedoch auf wenig Gegenliebe. Im endgültigen Strassenbauprojekt wurde keine einzige FDP-Einwendung berücksichtigt. «An der Grenze zur Arroganz» nennt Bettina Schweiger das Verhalten der städtischen Verkehrsplaner gegenüber dem Bezirk Meilen.

Verzicht auf zusätzliche Ampeln
Die Bezirks-FDP wies auf die heute schon prekäre Situation am Stadteingang hin. Aufgrund der schmalen Fahrbahnspuren und der immer breiter gewordenen Autos und Lastwagen sei ein problemloses Passieren im Gegenverkehr vor allem morgens und abends nicht gewährleistet. «Im Gegenteil», sagt Bettina Schweiger, «es ist gefährlich und führt immer wieder zu Friktionen.» «Unnötig» hält die FDP Bezirk Meilen auch zwei neu geplante Fussgängerstreifen auf der 2,5 Kilometer langen, dicht befahrenen Strecke. In Zukunft wäre alle 227 Meter ein Fussgängerstreifen vorhanden. «Eine Signalüberforderung sondergleichen», findet Schweiger. Die geplante Vereinheitlichung und Verengung der Spurbreite bei der Badi Tiefenbrunnen hält die FDP für eine teure, rein kosmetische Veränderung.

Konkret forderten Bettina Schweiger und ihre Parteikollegen, dass die Hauptverkehrsachse Seestrasse markant verbreitert wird, das heisst auf mindestens drei Meter pro Fahrspur. «Dies zur Unterbindung von schweren Unfällen und zur Verflüssigung des Verkehrs», erläutert die Bezirks-Parteipräsidentin.

Auf die Spurenverengung und Errichtung zusätzlicher Ampeln und Fussgängerstreifen sei zu verzichten. Ausserdem soll mit der aufwändigen Sanierung erst begonnen werden, nachdem die Durchmesserlinie der SBB fertig gestellt ist, die Entlastung beim öffentlichen Verkehr bringen könnte.

Der Zolliker Kantonsrat und FDP-Kantonalpräsident Beat Walti warnt davor, die letzte Verkehrsachse des unteren rechten Seeufers abzuwürgen. Er werde den Eindruck nicht los, die Stadtregierung wolle mit der geplanten Sanierung Verkehrserziehung betreiben, sprich die Autofahrer von der Strasse auf die Schiene zwingen. «Die S-Bahnen sind aber heute schon kolossal überfüllt», sagt Walti. Die Verkehrsplanung müsse als Ganzes betrachtet werden. «Im Notfall muss der Kanton an einzelnen Stellen für die Stadt planen», sagt der FDP-Präsident.

SVP hat Thema lanciert
Drei SVP-Kantonsräte aus dem Bezirk Meilen hatten das Thema bereits Mitte letztes Jahr lanciert. Von einer «Kriegserklärung an den Bezirk Meilen» hatte der Meilemer Adrian Bergmann damals gesprochen. Dass sich die Freisinnigen nun ebenfalls für eine bessere Situation zwischen Tiefenbrunnen und Bellevue einsetzen, freut den SVPler. «Nur gemeinsam können wir einen Mehrwert erreichen», sagt er, auch wenn er seine Partei in dieser Verkehrsfrage als glaubwürdiger betrachte. Nun gelte es aber, die Stadt Zürich weiter unter Druck zu setzen. «Der Verkehr auf der Seestrasse muss fliessen», fordert Bergmann. Wichtig sei auch das weitere Beharren auf eine geschlossene Ostumfahrung der Stadt und den Stadttunnel - Forderungen, welche die Freisinnigen des Kantons Zürich unterstützen. Auch sonst hält FDP-Kantonalpräsident Beat Walti einen «bürgerlichen Schulterschluss» in der Frage um die Zukunft der Seestrasse für möglich. «Pessimistisch», sagt er, «bin ich nicht.»

Unterstützung könnte die motorisierte Goldküste von höchster Stelle erhalten. Regierungsrat Thomas Heiniger, damals in Stellvertretung der erkrankten Rita Fuhrer, sicherte der FDP-Bezirkspartei im vergangenen Juli zu, dass die kantonalen Stellen alle vom Strassengesetz vorgesehenen Möglichkeiten nutzen werden, um in dieser Frage überkommunale Interessen zu wahren.

Zürichsee Zeitung, 6.1.2010, S.2

Der alltägliche Morgenstau am Zürcher Utoquai: Die FDP Bezirk Meilen will sich wie die SVP zuvor gegen eine zusätzliche Verschärfung der Verkehrssituation am Stadteingang einsetzen. (Christian Dietz-Saluz)

 
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