FDP-Politiker finden auch an kurzem Seetunnel Gefallen
Das freut die Bürgerlichen im Bezirk Meilen: Der Seetunnel wird wieder zum Thema – wenn auch in abgespeckter Variante.
Von Sandra Flückiger Der Seetunnel ist wieder im Gespräch – aber in einer neuen Variante. Der ehemalige Zürcher SP-Gemeinderat Bruno Kammerer fordert in einer Einzelinitiative vom Stadtparlament einen kleinen Tunnel zwischen Enge und Seefeld: Der Durchgangsverkehr zwischen Utoquai/Frascati und Alfred-Escher-Strasse/Tunnelstrasse soll unter die Erde verlegt werden.
Die Idee ist keineswegs neu, es wurde bereits 1995 darüber diskutiert, als der Kantonsrat den kantonalen Verkehrsrichtplan festsetzte. Vier Jahre später gab der Seetunnel auch am rechten Seeufer viel zu reden. Die FDP-Kantonsräte Reto Cavegn, Thomas Isler und der Zumiker Gaston Guex sowie der Männedörfler SVP-Kantonsrat Ueli Kübler reichten im Namen des Komitees Pro Seetunnel eine Motion für eine Kreditvorlage ein. Sie forderten einen Seetunnel, im Gegensatz zu Kammerer allerdings einen grösseren, der zwischen Tiefenbrunnen und Wollishofen gebaut werden sollte.
Verkehrskollaps am See
Gaston Guex glaubt nach wie vor an dieses Projekt. Dennoch begrüsst er auch den neuen Vorstoss: «Alles, was Entlastung, weniger Stau und einen besseren Verkehrsfluss bringt, nützt auch uns am rechten Seeufer.» Daher sei er auch nicht gegen einen kleineren Tunnel. «Im Moment ist es sekundär, welche Variante diskutiert wird.» Er will erst einmal abwarten, bis das neue Projekt ausgearbeitet ist, um dann die Vor- und Nachteile der beiden Ideen abwägen zu können. «Die Hauptsache ist, dass wieder Bewegung in diese Diskussion kommt.» Der kleine Tunnel findet auch bei Bettina Schweiger, Präsidentin der FDP des Bezirks Meilen, Anklang. Die Herrlibergerin weist darauf hin, dass die Bevölkerung des Kantons Zürich in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen sei und sich an der Strassensituation trotzdem kaum etwas verändert habe. «Wir haben einen Verkehrskollaps am See.» Als der Regierungsrat im Jahr 2005 den Richtplan für den Verkehr in die Vernehmlassung gab, sprach sich die kantonale Fraktion der FDP nur für einen Stadttunnel von Zürich-Brunau nach Dübendorf aus. Die Bezirkspartei Meilen, auch damals schon mit Schweiger als Präsidentin, verfasste deshalb eine eigene Stellungsnahme, in der sie sich für den Seetunnel stark machte.
Entlastung vom Transitverkehr
Den Vorteil eines Tunnels zwischen Tiefenbrunnen und Wollishofen sieht Schweiger darin, dass er mehr Entlastung bringt, weil er weiter vorne beginnt. Der kleinere Tunnel würde aber ebenfalls Sinn machen, auch wenn er nicht ideal sei, sagt sie. «Staus, wie sie jetzt an der Quaibrücke entstehen, könnte man damit verhindern. Als ich gestern die Strecke fuhr, war einer so genervt, dass er mitten auf der Strasse über die ausgezogene Linie gewendet hat.» Schweiger würde sich darum auch für die Initiative von Kammerer einsetzen. Skeptischer zeigt sich hingegen der Zolliker Kantonsrat Beat Walti, der ebenfalls Mitglied im Komitee Pro Seetunnel ist. Der Präsident der kantonalen FDP sieht ein Problem beim Vorgehen des Initianten: «Jedes Verkehrsprojekt ist eingebettet in seine Umgebung. Die Strassen müssen einen Anschluss haben.» Während der Anfangs- und Endpunkt des ursprünglich geplanten Seetunnels ins Nationalstrassennetz passen würden, habe er beim aktuellen Vorschlag seine Zweifel, ob die Ein und Ausfahrten realisierbar seien.
Ein weiterer wunder Punkt seien die Kosten des Projekts. Falls der grosse Seetunnel realisiert werde, nehme der Bund die Strasse wahrscheinlich in den Nationalstrassenplan auf und würde einen Teil der Finanzierung übernehmen, sagt Walti. Die Umfahrung des Bellevue sei dagegen nur eine Kantonsstrasse und müsste von Kanton und Stadt bezahlt werden. Dies liegt aber noch in weiter Ferne. Der Zürcher Gemeinderat wird wohl im September über das Projekt entscheiden. Für eine vorläufige Unterstützung braucht es 42 von 125 Stimmen. Trotz seiner Einwände spricht sich Beat Walti nicht grundsätzlich gegen das Projekt aus. «Ich finde es positiv, wenn die Diskussion um Entlastungsmöglichkeiten wieder Auftrieb bekommt», stimmt er Guex zu. Für die Bewohner der Seegemeinden bedeute es einen grossen Zeitverlust, wenn die Quaibrücke wie jetzt wegen der Sanierung teilweise gesperrt sei.
Den kleinen Tunnel sieht er aber vor allem als Abkürzung, um auf die Autobahn zu gelangen. «Das entlastet die Innenstadt vom Transitverkehr. Damit bleibt aber weiterhin die Frage, wie das untere Seebecken ans Nationalstrassennetz angeschlossen werden kann.» Langfristig ist für Walti der grosse Seetunnel daher die sinnvollere Lösung. |